Stiftung&Sponsoring – Teil 29


Ausgabe 3/2021
Dadara: Like (2013)
von Hermann Büchner (Berlin)

Die Eigenwährung des niederländischen Künstlers Dadara präsentiert eine besonders originelle und handwerklich perfekt umgesetzte Ausprägung des so genannten Künstlergeldes, von dem sich mehrere Beispiele im Sammlungsbestand befinden. In den Beiträgen der Ausgaben 03/2018 und 02/2019 wurden Arbeiten von Nikolaus Eberstaller und Helmut King vorgestellt.
Von Künstlern gestaltete fiktive Banknoten nehmen in Format und bezeichnenden Elementen wie Nennwert, Seriennummern, bildlicher Darstellung von Gebäuden und Personen Bezug auf reale Zahlungsmittel. 
Doch steht die kritische Auseinandersetzung mit sozialen und wirtschaftlichen Zuständen, die durch die Finanzsysteme mit geprägt oder sogar dominiert sind, im Fokus der künstlerischen Arbeit. Es handelt sich bei den monetären Eigenschöpfungen zuweilen um humorige oder auch hintersinnige künstlerische Beiträge zum Thema Geld und Währung im Allgemeinen – und im Speziellen um beeindruckende Visualisierungen in Gestalt von ›Quasi-Banknoten‹.

Dadara hat im Kontext der eigenen Währung 2010 die Exchanghibition Bank gegründet, welche mit einer Filiale in Amsterdamer Hauptbahnhof an den Start. Das (nicht nur) fiktive Geldinstitut gastierte bei diversen Kunst-Events, so im September 2011 auf dem Burning Man Festival in der Wüste von Nevada. Das Motto lautete: „The Art of turning Art into Money“.

Dadara (bgl. Daniel Rozenberg) wurde am 8. Februar 1969 im polnischen Lódz geboren. Nach dem Abitur im Jahr 1986 studierte er kurzzeitig Maschinenbau an der Technischen Universität Delft, anschließend Kunst an der Freien Akademie Psychopolis in Den Haag, der Akademie für Industriedesign in Eindhoven und der Academy of Visual Design in Genk (Belgien). 1992 graduierte er an der Willem de Kooning Akademie in Rotterdam. In den letzten Jahren konzentrierte sich Dadara hauptsächlich auf große interaktive Kunstprojekte und das Malerei. Der rote Faden in den meisten dieser Werke ist, dass sie einen Kommentar zur heutigen Gesellschaft liefern. Zu den Themen gehören einerseits staatliche Kontrolle, mangelnde Transparenz, Datenschutzfragen und Vorschriften sowie andererseits Wertschöpfung, Geld und Träume.

Sein Anliegen, eine Kunstwährung im Tausch gegen gültige Banknoten in Umlauf zu bringen, umschreibt der Künstler wie folgt:
„In der heutigen Finanzkrise ist Kunst häufig als alternative Anlageform genannt worden. Doch sagen die Millionen von Dollars, die man für einen Hirst, einen Koons oder einen Picasso zahlen müsste, etwas über den sozialen oder künstlerischen Wert oder das Potential der Veränderung aus? Wie immer man darüber auch denken mag – die Exchanghibition Bank ist angetreten, der Kunst zu dienen: Der Kunst, aus Kunst Geld zu machen.“

Speziell zu „Like“ mit den visualisierten Anspielungen auf seinerzeit allgegenwärtige, heute in ihrer Omnipräsenz eher schwindenden facebook-Icons heißt es: „Dankbarkeit und Wertschätzung zu zeigen, war schon immer ein wesentlicher Bestandteil unserer menschlichen Interaktionen. Seit wir den sozialen Medien erlaubt haben, das ›Gefallen‹ in Geld umzusetzen und unsere monetären Transaktionen immer anonymer geworden sind, scheint es schwieriger geworden zu sein, solche Gefühle auszudrücken.“

Auf den ersten Blick erwecken die Künstlergeld-Scheine von Dadara den Anschein, sie seien am PC mit Bildbearbeitungsprogrammen generiert. Doch Grundlage der Exchanghibition-Bank-Noten, gedruckt in Sonderfarben mit währungsspezifischen Silbereffekt-Elementen, sind jeweils akribisch in Öl auf Leinwand realisierte Gemälde von 55 × 120 cm Größe. Auch in der Miniaturausführung sind die doppeldeutigen Details und verbalen Anspielungen, mit denen Dadara Gesten virtueller Zustimmung in die haptische Ebene zurückführt, gut erkennbar.

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Weitere Informationen im Internet zum Künstler: https://dadara.nl 

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