Neu in der Sammlung: Zwei Geldkunstarbeiten von Werner Klotz


Der 1956 in Bonn geborene, in New York und Berlin lebende Künstler ist vor allem durch komplexe Raum-Installationen und Auftragswerke im öffentlichen Raum bekannt geworden sowie durch eine Vielzahl von Ausstellungen in aller Welt.
Zwei seiner kleinformatigen Arbeiten, die den Kontext der Geldkunst tangieren, gehören jetzt zum Bestand der Sammlung.
Immer wenn Werner Klotz seine Kreationen dem Publikum zur Ansicht bringt, handelt es sich um weit mehr als etwa die Präsentation vorher im Atelier entstandener Werke. Der besondere Charakter seines Schaffens besteht nicht nur in der Montage vorwiegend technoider und aus dem Kontext der Feinmechanik stammender Elemente – wie beispielsweise Stahl- und Glasplatten, Spiegel, optischen Linsen, Steuerungselemente, Bewegungsmelder etc.- oder auch Kameras und Displays, sondern Klotz setzt seine künstlerischen Ambitionen mit ingenieurtechnischem Mitteln auch funktional um. So entstehen interaktive plastische Objekte und auf den geschlossenen oder offenen Raum bezogene Arrangements, die zur aktiven Mitwirkung und Aneignung nicht nur herausfordern, sonder diese nachgerade unverzichtbar machen.

»Gymnasium for the Eyes« (übersetzt etwa »Schule für die Augen«) heißt eine zentrale Werkgruppe des Künstlers, mit der er in 1990er Jahren begann, Sinneswahrnehmungen wie Sehen und Hören in direkter Interaktion des Betrachters mit den Installationen zu thematisieren.
Wirken die Arbeiten auch als Objekte im Raum durch ihre eigentümliche Ästhetik der Verbindung von technische Instrument und künstlerischem Objekt, so funktioniere sie nur, wenn der Betrachter sie ›benutzt‹ und seine Sinne aktiviert, denn die Werke von Werner Klotz sind in doppeltem Sinne ›Wahrnehmungsinstrumente‹. (Barbara Barsch im Katalog zur Ausstellung »Exercise Room. Wahrnehmungsinstrumente und Skulpturen« in der Galerie der JENOPTIK AG, Januar/Februar 2000).

Einen speziellen, auf den ersten Blick ganz andersartigen Aspekt verfolgte Werner Klotz, als er 1983 in Feldstudien begann, die Schleimspuren von Weinbergschnecken zu untersuchen und später ein Verfahren zur Konservierung derselben auf Kupferplatten zu entwickelte. Die beiden jetzt in den Bestand der Sammlung aufgenommenen Arbeiten »Just Passing By« (2001) und »Follow the Money« (2011) sind Beispiele derart eingefangener Bewegungsspuren – und zwar in direktem Bezug zum Phänomen der Währung, assembliert mit den wohl signifikantesten Elementen in Form von 1-Dollar-Note und -Münzen im Zentrum jeweils einer Platte, auf deren die Schnecken ihren Weg zurückgelegt haben. 
Reflexion vom Umgebungslicht und Spiegelung sind in beiden Werken zwangsläufige Momente der Wahrnehmung, wodurch der statische Charakter aufgebrochen wird.
 
Michaela Ott, Professorin für Ästhetische Theorien an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, schreibt zu den beiden Arbeiten:
Heute rückt zunehmend die Verflechtung von bislang für unvergleichbar gehaltenen Größen in den Blick. In der globalisierten Welt scheint nichts mehr nicht dazuzugehören. Es gibt kein Außerhalb, nichts Belangloses, mehr. Der Flügelschlag eines Schmetterlings löst am anderen Ende der Welt ein Erdbeben aus. Was haben unter diesem Gesichtspunkt die Kurven und Verschaltungen der Finanzströme mit ökologischen Umwelten zu tun? Folgen beide dem Prinzip des Geflechts, des Rhizoms, wie Pilzkulturen es im Unterboden ausbilden?
Lässt sich aus dem Fließen der einen auf Bewegungsarten der anderen schließen? Werden wir, die langsamen Menschennaturen, heute an die monetäre Fließgeschwindigkeit angepasst? Wird unser Modus der Selbstsorge kurvenförmig wie der stets unstete Börsenkurs?
Und wie verhalten sich die Geldumläufe zu den scheinbar langsamen Schleimspuren der Schnecken? Schieben sich diese als Bremse, als Anhalt, dazwischen, bringen das quasi Immaterielle auf verzögernden Schlingerkurs?
In jedem Fall überkreuzen sich ihre unterschiedlichen Geschwindigkeiten und geben auf kupferner Unterlage ein Tableau von Flüchtigkeit und Abfolge ab
.
 
Mit »Just Passing By« wird zudem eine Verbindung zu den oben erwähnten, auf aktives Rezeptionssver-halten und -verfremden zielende Installationen realisiert, denn die unregelmäßige Oberfläche erzeugt, abhängig vom Lichteinfall, völlig verschiedenartige (Wahrnehmungs-) Beschaffenheiten.
 
Weitere Informationen und Abbildungen im PDF zum Weiterlesen.

Related Artists

Related Exhibitions

Documents

Enquiry