Neu in der Sammlung: »Hüten Sie sich vor Fälschungen« von Ueli Fuchser

Die Collage des Schweizer Konzeptkünstlers Ueli Fuchser aus dem Jahr 1976 – bestehend aus Elementen von elf Banknoten aus acht Ländern – bereichert seit kurzem den Bestand der Sammlung Haupt. Die Entstehungsgeschichte der Arbeit lässt an spannenden, belustigenden und auch verstörenden Akzenten kaum etwas zu wünschen übrig, wie man der inkludierten 87seitigen Dokumentation – darin die ›Reste‹ aller (mit Ausnahme des 500-Franken-Scheins) verwendeten Banknoten sowie der Schriftverkehr mit diplomatischen Vertretungen, Nationalbanken und Galerien – entnehmen kann.

Bereits im September 1974 hatte sich der 1948 im Schweizerischen Thun geborene Künstler mit einem schriftlichen Ersuchen an die Nationalbank der Schweiz gewandt, ihm für eine geplante Collage druckfrische Banknoten der Ausgabewerte 50 und 500 CHF zur Verfügung zu stellen. Die Reaktion kam schnell aber abschlägig: »Wir sind aus verschiedenen Gründen (Gefahr von Verwechslung, Missbräuchen etc.) nicht in der Lage, an Privatleute zu Unterhaltungszwecken Banknoten oder Teile davon herauszugeben«, ließ man Fuchser wissen – und weiter: »Wenn Sie Collagen (…) mit echten Banknoten oder Teilen von solchen herstellen wollen, müssen Sie dazu wohl oder übel Ihre eigenen Banknoten verwenden.« Der Künstler, sich nicht sogleich entmutigen lassend, versuchte nun unter Berufung auf die bankenseitig bindende Verpflichtung zum Ersatz für beschädigte Banknoten die verbliebenen Teile eigener Scheine (aus denen er inzwischen die für die Collage benötigten Elemente herausgeschnitten hatte) an neues Geld zu kommen – auch diesmal ohne Erfolg. Man lehnte das Ansinnen nicht nur ab, sondern ließ Fuchser wissen, man habe »nach den geltenden Dienstvorschriften allfälligen Urhebern mutwillig beschädigter Banknoten nahezulegen, derartige Verunstaltungen zu unterlassen.«

Ueli Fuchser passte seine Strategie daraufhin an und richtete – mit dem Betreff »Geldwechsel« versehene – Schreiben an die Botschaften und später – auf deren Empfehlung hin – an die Nationalbanken diverser Länder, denen er bereits benutzte Scheine in deren Währungen beifügte: Er bat darum, ihm für ein besonders gediegenes Ergebnis der Collage-Arbeit druckfrische Banknoten im Austausch sowie auch Informationen zu den dargestellten Persönlichkeiten zukommen zu lassen.

Er erhielt in der Folgezeit auf diese Art und Weise unbenutzte Banknoten aus Kanada, Österreich, Portugal, Dänemark, der Elfenbeinküste, aus Kongo und der BRD – jeweils ergänzt um mehr oder weniger ausführliche Zusatzinformationen. Die Deutsche Bundesbank zeigte sich besonders auskunftsfreudig und legte einer kurzen Übersicht mit Informationen zu allen auf den aktuellen Noten Porträtierten den mehrseitigen Aufsatz »Die neuen Bundesbanknoten« bei.

Mitte 1976 waren nach dem Eintreffen der Antwort aus Zentralafrika alle Scheine in druckfrischen Exemplaren beisammen, so dass Fuchser die Collage vollenden konnte: an den vier Ecken mit größeren Elementen genrehafter Darstellungen aus der Schweiz und aus Afrika, und ins Zentrum gerückt die acht Porträts der weiteren Scheine.

»Hüten Sie sich vor Fälschungen« und die Dokumentation um die Entstehung der Collage und anschließende Aktivitäten weisen den Schweizer Konzeptkünstler als Protagonisten eines künstlerisch-aktionsbetonten und provokanten Umgangs mit dem Medium Geld aus. Eine Tendenz, die beispielsweise im Schaffen von Sebastian Siechold (*1982 in Quedlinburg) aus Berlin – mit zahlreichen Werken im Sammlungsbestand vertreten – heute ihre Fortsetzung findet.

Weiterlesen in diesem PDF mit weiteren und Abbildungen

Weiterführende Informationen:

Global-Art-Fusion – Ausführliche Darstellung und Analyse im Blog von André Chahil, mit zahlreichen Abbildungen

Das vorletzte Tabu
Rezension der Ausstellung »Geld und Wert – das letzte Tabu« auf www.bilanz.ch



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