Neu in der Sammlung: »Geld« – Folge von vier Farblithografien von Reiner Schwarz

Seit kurzem befindet sich der 4-teilige Zyklus von Mehrfarb-Lithografien des Berliner Künstlers Reiner Schwarz, entstanden zu Beginn der 1980er Jahre, vollständig im Bestand der Sammlung. Eigentlich würde es die Werkgruppe der subtilen Interpretationen zum Thema »Geld« gar nicht geben, denn die den Künstler seinerzeit beauftragenden Direktoren der Bank für Gemeinwirtschaft mochten nicht, was er ihnen an Entwürfen vorlegte, und zogen sich aus dem Auftrag zurück. Schwarz sicherte sich das Recht, die Blätter zu vollenden. Nach anfänglicher Pause setzte er die Arbeit fort, experimentierte mit Druckfarben und Bildelementen. So gibt es diverse Farbvarianten, Zustandsdrucke der Motive – zwei davon in höherer Auflage für eine Mappe mit Originalgrafiken des Leipziger Verlagshauses Philipp Reclam.

Für die Sammlung Haupt hatte Hermann Büchner die Gelegenheit, im Gespräch mit dem Künstler Aspekte der außergewöhnlichen Entstehungsgeschichte zu hinterfragen.

Reiner Schwarz:
»Die Bank für Gemeinwirtschaft trat Anfang der 80er Jahre an mich heran, für ihren Rechenschafts- oder vielleicht auch Jahresbericht eine Folge von Farblithografien zu erarbeiten, um sie darin abzubilden. Für besondere Kunden waren Originale vorgesehen, die von meinen bearbeiteten Platten gedruckt werden sollten. Diese Auflage, auf 300 Exemplare begrenzt, wäre vierfarbig auf ca. 5000 Druckvorgänge hinausgelaufen, ein für mich auf meiner Handpresse nicht zu bewältigendes Unternehmen. Wir kamen überein, dass diese Farblithografien in einer größeren Druckerei in Westdeutschland gedruckt werden sollten.

In einem Gespräch mit dem dafür verantwortlichen Direktor der Bank versuchte ich herauszubekommen, wer mich empfohlen hatte. Darüber wurde geschwiegen, aber ich erfuhr als Detail aus der Geschichte der Bank, dass sie als Gewerkschaftsbank gegründet worden war, um das Geld der Mitglieder zu verwalten und zu sichern. So konnte ich mir erklären, dass meine realistische Darstellungsweise auch sozialkritisch bewertet werden konnte und gut in das Bild der Bank passte.

Nach etwa einem Jahr wollte man in Frankfurt sehen, was mir eingefallen war und ich schickte ihnen zwei schon sehr weit ausgearbeitete Arbeiten als Probedrucke. Die Reaktion dort war aber negativ. Ich wurde gefragt, ob ich nicht einzelne Details wegnehmen und alles positiver gestalten könnte. Vielleicht meinten sie in der Arbeit »Das frugale Mahl« die trostlose Situation einer alten Frau mit einem leeren Blechteller, einem Kanten vertrocknetes Brot und einem zerknüllten 5 DM-Schein, oder bei dem anderen Litho eine mit einem DM-Geldschein beschwerte Goldwaage über einem Mädchen in Trance vor einer WC-Szenerie mit graffitibeschmierten Kachel-Wänden. Das klingt hier krass, war aber sehr sauber gezeichnet.«

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